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Induzierte Laktation

Induzierte Laktation – Stillen ohne Schwangerschaft

Die induzierte Laktation ermöglicht es, eine Milchbildung auch ohne vorausgegangene Schwangerschaft oder Geburt anzuregen. Dies kann beispielsweise für Co-Mütter, Adoptivmütter, trans Frauen oder andere Elternteile interessant sein, die ein Kind stillen oder mit Muttermilch versorgen möchten.

In unserem MVZ bieten wir eine individuelle Beratung und medizinische Begleitung zur induzierten Laktation an. Die Behandlung erfolgt ausschließlich im Rahmen einer privaten Sprechstunde und wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Für wen ist eine induzierte Laktation geeignet?

Eine induzierte Laktation kann in verschiedenen Situationen sinnvoll sein, unter anderem bei:

  • Co-Müttern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften

  • Adoptivmüttern

  • trans Frauen

  • Elternteilen, die nach längerer Stillpause erneut Milch bilden möchten (Relaktation)

  • Personen mit dem Wunsch, ein Kind teilweise oder vollständig mit eigener Milch zu ernähren

Die Erfolgsaussichten hängen von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere von:

  • der verfügbaren Vorbereitungszeit,

  • der hormonellen Ausgangssituation,

  • der Häufigkeit der Bruststimulation,

  • der individuellen Reaktion des Körpers.

Nicht immer ist eine vollständige Milchproduktion erreichbar. Auch eine teilweise Milchbildung kann jedoch emotional und ernährungsphysiologisch sehr wertvoll sein.

Wie funktioniert die induzierte Laktation?

Die Milchbildung wird durch eine Kombination aus:

  1. hormoneller Vorbereitung,

  2. medikamentöser Unterstützung,

  3. regelmäßiger Bruststimulation,

  4. gegebenenfalls pflanzlicher Begleittherapie

angeregt.

Ein häufig verwendeter Ansatz ist das sogenannte Newman-Goldfarb-Protokoll.

Das Newman-Goldfarb-Protokoll

Das Newman-Goldfarb-Protokoll wurde von dem kanadischen Kinderarzt Jack Newman und der Stillberaterin Lenore Goldfarb entwickelt.

Ziel ist es, den hormonellen Verlauf einer Schwangerschaft und den anschließenden Stillbeginn nachzuahmen.

Phase 1 – Hormonelle Vorbereitung

Über mehrere Monate werden in der Regel:

  • Estrogen

  • Progesteron

eingesetzt, um die Entwicklung des Brustdrüsengewebes zu fördern.

Phase 2 – Prolaktinsteigerung

Zusätzlich kann Domperidon eingesetzt werden. Domperidon kann indirekt die Prolaktinfreisetzung erhöhen und dadurch die Milchbildung unterstützen.

Phase 3 – Absetzen der Hormone

Kurz vor dem geplanten Stillbeginn werden Estrogen und Progesteron abgesetzt, um den hormonellen Zustand nach einer Geburt nachzuahmen.

Phase 4 – Intensive Bruststimulation

Durch regelmäßiges Abpumpen (idealerweise 6–8-mal täglich) und späteres Anlegen des Kindes wird die Milchproduktion weiter stimuliert.

Eingesetzte Medikamente und Hormone

Estrogen und Progesteron

Diese Hormone werden genutzt, um die Veränderungen des Brustgewebes während einer Schwangerschaft zu imitieren.

Domperidon

Domperidon kann die Prolaktinfreisetzung fördern und so die Milchbildung unterstützen. Der Einsatz erfolgt nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung, insbesondere unter Berücksichtigung möglicher kardialer Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Pflanzliche Unterstützung (Galaktagoga)

Einige Menschen möchten ergänzend pflanzliche Präparate einsetzen. Die wissenschaftliche Evidenz ist begrenzt, dennoch werden häufig verwendet:

  • Bockshornkleesamen

  • Mariendistel

Pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben und sollten nicht ohne ärztliche Beratung eingenommen werden.

Laboruntersuchungen und medizinische Kontrollen

Vor Beginn der Behandlung empfehlen wir je nach individueller Situation unter anderem:

  • Hormonstatus

  • Leberwerte

  • Nierenwerte

  • Elektrolyte

  • EKG (insbesondere vor Einsatz von Domperidon)

  • weitere Untersuchungen nach Bedarf

Während der Behandlung können regelmäßige Verlaufskontrollen sinnvoll sein.

Kosten und Abrechnung

Die Beratung und Begleitung zur induzierten Laktation erfolgt ausschließlich als Privatleistung.

Dies betrifft insbesondere:

  • ärztliche Beratungsgespräche,

  • individuelle Therapieplanung,

  • Rezeptierung und Überwachung von Hormonen und Medikamenten,

  • Laboruntersuchungen,

  • EKG-Kontrollen,

  • Verlaufskontrollen.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen diese Leistungen in der Regel nicht. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Über die voraussichtlichen Kosten informieren wir Sie transparent vor Behandlungsbeginn.

Wichtige Hinweise

Die induzierte Laktation ist ein individuell sehr unterschiedlicher Prozess. Nicht jede Person erreicht eine vollständige Milchproduktion. Häufig steht nicht allein die Menge der produzierten Milch im Vordergrund, sondern auch die emotionale Bindung und die Möglichkeit, das Kind aktiv zu stillen.

Die Behandlung sollte stets unter ärztlicher Begleitung erfolgen, da Hormone und Medikamente Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen können.

Terminvereinbarung

Wenn Sie sich für eine induzierte Laktation interessieren, beraten wir Sie gerne in einer ausführlichen privaten Sprechstunde (aktuell nur bei Dr. Hörner). Gemeinsam besprechen wir Ihre individuellen Voraussetzungen, die Erfolgsaussichten sowie die möglichen Behandlungsschritte.

Bitte beachten Sie, dass sämtliche Beratungen, Medikamente, Hormone, Laboruntersuchungen und Kontrolluntersuchungen privat zu bezahlen sind.