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Eine Frage, die uns in der Praxis immer wieder begegnet

„Warum bekomme ich Progesteron bei euch nicht auf Kassenrezept?“

Die kurze Antwort:
Weil der zusätzliche Nutzen von Progesteron in der feminisierenden Hormontherapie wissenschaftlich bisher nicht ausreichend belegt ist.

Progesteron wird von vielen trans Frauen mit der Hoffnung auf eine stärkere Brustentwicklung, eine bessere Feminisierung, besseren Schlaf oder mehr Wohlbefinden gewünscht.

Und ja: Es gibt Studien und viele persönliche Erfahrungsberichte, die von positiven Effekten berichten.

Aber persönliche Erfahrung und wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis sind nicht dasselbe.

Was sagt die Studienlage?
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fand keine überzeugenden Belege für eine Verbesserung der Brustentwicklung oder Lebensqualität durch die zusätzliche Gabe von Gestagenen. Gleichzeitig wurden mögliche Risiken beschrieben. Auch neuere Arbeiten kommen zu einem ähnlichen Schluss: Die Datenlage zu Progesteron bei transfemininen Personen ist weiterhin begrenzt. Häufig fehlen große, randomisierte und langfristige Studien. Eine aktuelle Befragung von 543 transfemininen bzw. nichtbinären Personen zeigt zwar, dass viele Anwender*innen subjektiv positive Effekte wahrnehmen. Das ist wichtig und sollte ernst genommen werden – ersetzt aber keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien.

Warum also Privatrezept?
Bei der Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung müssen medizinische Notwendigkeit und Nutzen entsprechend der geltenden Versorgungskriterien begründbar sein.
Für einen routinemäßigen Einsatz von Progesteron zur zusätzlichen Feminisierung – insbesondere mit dem Ziel einer stärkeren Brustentwicklung – sehen wir derzeit keine ausreichend belastbare Evidenz.
Deshalb unterscheiden wir:
- Wir nehmen den Wunsch nach Progesteron ernst.
- Wir informieren über die vorhandene, aber noch begrenzte Evidenz.
- Wir wägen mögliche Vorteile und Risiken individuell ab.
- Wenn nach ärztlicher Aufklärung eine individuelle Entscheidung für Progesteron getroffen wird, kann eine Verordnung auf Privatrezept erfolgen.

Das bedeutet ausdrücklich nicht:
„Progesteron bringt nichts.“

Es bedeutet:
Wir können einen zusätzlichen Nutzen derzeit wissenschaftlich nicht sicher belegen. Und genau diese Unterscheidung ist uns wichtig. Denn gute Medizin bedeutet für uns, Wünsche ernst zu nehmen – aber gleichzeitig transparent zu sagen, was wissenschaftlich gesichert ist, was wahrscheinlich ist und was wir schlicht noch nicht wissen. Die Studienlage entwickelt sich weiter. Wir verfolgen sie und passen unsere Empfehlungen entsprechend an.