Zum Seiteninhalt springen
Logo von Sexuelle Gesundheit Köln
Zurück zur Übersicht

PMOS – Ein neues Verständnis des polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndroms

Ein ganzheitlicher Blick auf ein komplexes Krankheitsbild

Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Menschen mit Eierstöcken. Gleichzeitig ist das Krankheitsbild sehr vielfältig: Nicht alle Betroffenen haben die gleichen Beschwerden oder dieselben gesundheitlichen Risiken.
In der medizinischen Diskussion wird deshalb zunehmend eine umfassendere Bezeichnung verwendet: PMOS – Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom. Der neue Begriff soll verdeutlichen, dass es sich nicht ausschließlich um eine Erkrankung der Eierstöcke handelt. Vielmehr können verschiedene hormonelle und metabolische Prozesse zusammenspielen und sich gegenseitig beeinflussen.

Warum eine neue Bezeichnung? Der Begriff „Polyzystisches Ovarsyndrom“ kann zu Missverständnissen führen. PCOS bedeutet nicht, dass sich einfach Zysten an den Eierstöcken befinden. Auch müssen bei einer betroffenen Person nicht zwangsläufig polyzystische Eierstöcke im Ultraschall sichtbar sein. Das Krankheitsbild umfasst vielmehr verschiedene mögliche Veränderungen, unter anderem bei: der hormonellen Regulationdem Zyklus und Eisprung, dem Stoffwechsel, der Insulinregulation, der Gewichtsentwicklung, der Haut und Behaarung, der Fruchtbarkeit. Die Bezeichnung PMOS soll diesen umfassenderen Blick stärker abbilden.

Welche Beschwerden können auftreten?
PMOS kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Manche Menschen haben nur wenige Beschwerden, andere sind von mehreren Symptomen betroffen. Mögliche Anzeichen sind beispielsweise: unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation, seltene oder ausbleibende Eisprünge, verstärkte Behaarung, Akne oder fettige Haut, androgenbedingter Haarausfall, Schwierigkeiten bei der Erfüllung eines Kinderwunsches, Veränderungen des Körpergewichts, Hinweise auf eine gestörte Insulinregulation. Nicht jedes dieser Symptome muss vorhanden sein. Umgekehrt können auch Menschen mit unauffälligem Körpergewicht und ohne typische äußere Merkmale betroffen sein. PMOS betrifft mehr als den Zyklus. Ein wichtiger Bestandteil der modernen Betrachtung ist das metabolische und kardiovaskuläre Risiko. Bei PMOS können unter anderem Veränderungen des Zucker- und Fettstoffwechsels auftreten. Dadurch kann langfristig das Risiko für bestimmte Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sein. Auch die psychische Gesundheit sollte berücksichtigt werden. Menschen mit PMOS können beispielsweise häufiger unter depressiven Symptomen, Ängsten oder einer verminderten Lebensqualität leiden. Deshalb geht es bei der Behandlung nicht nur darum, einen regelmäßigen Zyklus herzustellen oder einzelne Symptome zu behandeln. Entscheidend ist eine individuelle Einschätzung der gesamten gesundheitlichen Situation.

Wie wird PMOS diagnostiziert?
Die Diagnose wird nicht anhand eines einzelnen Blutwertes oder einer einzelnen Ultraschalluntersuchung gestellt.Entscheidend ist die Gesamtschau aus Beschwerden, Zyklusverlauf, körperlichen Befunden, hormoneller Diagnostik und – je nach Situation – Ultraschalluntersuchung. Gleichzeitig müssen andere mögliche Ursachen für Zyklusstörungen oder hormonelle Veränderungen ausgeschlossen werden. Die Diagnostik sollte sich deshalb immer an der individuellen Situation orientieren und nicht ausschließlich an einem einzelnen Laborwert oder einem Ultraschallbefund.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
PMOS lässt sich nicht mit einer einzigen Therapie behandeln. Die Behandlung richtet sich danach, welche Beschwerden bestehen, welche gesundheitlichen Ziele verfolgt werden und welche individuellen Risiken vorliegen. Je nach Situation können beispielsweise folgende Bereiche eine Rolle spielen: Regulation von Zyklus und Eisprung, Behandlung von Akne oder verstärkter Behaarung, hormonelle Therapie, Unterstützung bei Kinderwunsch, Verbesserung der Stoffwechselgesundheit, Behandlung einer gestörten Insulinregulation, Gewichtsmanagement, sofern dies gewünscht und medizinisch sinnvoll ist, Prävention von langfristigen Folgeerkrankungen, Unterstützung bei psychischen Belastungen. Dabei sollte nicht nur ein einzelnes Symptom behandelt werden. Ziel ist vielmehr eine Therapie, die zu den individuellen Bedürfnissen und Lebensumständen der betroffenen Person passt.

Wer behandelt PMOS?
Die gynäkologische Versorgung ist häufig der erste Anlaufpunkt für die Diagnostik und Behandlung. Je nach Beschwerden und Risikoprofil kann jedoch eine Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche sinnvoll sein. Bei uns verbinden wir gynäkologische und hausärztliche Versorgung und können bei Bedarf weitere Fachrichtungen einbeziehen. So können sowohl die hormonellen und gynäkologischen Aspekte als auch Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-Risiken und die allgemeine gesundheitliche Situation berücksichtigt werden. Die medizinisch notwendige Basisdiagnostik erfolgt im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus können abhängig von der individuellen Situation weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Nicht jede medizinisch mögliche Untersuchung gehört jedoch zur Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Wir besprechen deshalb gemeinsam mit euch:
Was ist medizinisch sinnvoll?
Welche Untersuchung bringt einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn?
Welche Untersuchungen sind in eurer persönlichen Situation notwendig?
Und welche Leistungen werden von der Krankenkasse übernommen?

Unser Ziel ist eine transparente und individuell abgestimmte Diagnostik – ohne unnötige Untersuchungen.
Unser Verständnis von PMOS. PMOS ist mehr als ein Problem mit dem Zyklus und mehr als ein auffälliger Ultraschallbefund .Ein zeitgemäßer Umgang mit dem Krankheitsbild bedeutet, hormonelle, gynäkologische, metabolische und psychische Aspekte gemeinsam zu betrachten. Wir möchten euch dabei unterstützen, Beschwerden und Zusammenhänge besser zu verstehen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und gemeinsam eine individuelle Behandlung zu entwickeln. Denn gute Versorgung bedeutet nicht nur, Symptome zu behandeln – sondern die gesamte gesundheitliche Situation im Blick zu behalten.